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Warum kaufen Eltern so viel Spielzeug?

26. Oktober 2017
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Vor ein paar Tagen war ich kurz bei ToysrUs um einen Gutschein zu besorgen. Ich war ohne Kinder unterwegs und hatte den  Einfall, kurz durchs Geschäft zu schlendern. Einfach mal schauen, was es so (neues) gibt. Nach zehn Minuten fühlte ich mich erschlagen, ging zur Kasse, bezahlte den Gutschein und fuhr nach Hause. Ich, als 30-jährige Frau, war schlichtweg überfordert. Überfordert, mit der Flut an Spielsachen. Ich wusste gar nicht, wo ich zuerst hinschauen sollte. Und das Ganze fängt schon beim Babyspielzeug an. Gefühlt 1000 verschiedene Spielsachen für Menschen so klein, dass sie mit Spielzeug im Grunde noch nichts anfangen können. Die Masse an Sachen zieht sich weiter durch alle Abteilungen – Playmobil, Lego (Duplo), Gesellschaftsspiele, Fahrzeuge, Puppenzubehör, Küchen– und Kaufladenutensilien, Stofftiere, Autos, Tablets und so weiter und so weiter.

Wir leben in einer Zeit, in der unsere Kinder mit drei Jahren schon so viel besitzen, dass die Eltern ratlos sind bei der Frage, was man zum Geburtstag oder Weihnachten schenken kann. Reichte früher der alte Ball & die Straße oder eine Puppe mit Bettchen so muss es heute gefühlt alles sein. Ich frage mich, warum das so ist? Warum haben Eltern (oder Verwandte und Bekannte) das Bedürfnis, Kinder mit Geschenken, Spielsachen und materiellem zu überhäufen?

Natürlich – früher hatte eine Familie im Durchschnitt viel weniger Geld zur Verfügung als heute. Dazu kam, dass Spielzeug auch um einiges mehr gekostet hat. Billiges Plastikspielzeug für zwei Euro gab es einfach nicht. Daher blieb vielen Eltern und Kindern nur der Ball, die Puppe und die Kreativität. Früher war auf keinen Fall alles besser, aber das weniger an Spielzeug, ja das vermisse ich ein wenig. Also, mal abgesehen von dem Aspekt, dass wir uns heute für unsere Kinder alles leisten KÖNNEN, warum WOLLEN wir es? Was bewegt die Elterngeneration von heute dazu, ständig neues Spielzeug anzukarren und den Kindern jeden Wunsch von den Augen ablesen zu wollen?

Jetzt könnt ihr sagen „Einfach, weil ich dieses Blitzen in den Augen meiner Kinder liebe, wenn ich ihnen eine Kleinigkeit gebe, JA zu einem Spielzeug sage oder ihnen (all) ihre Wünsche zum Fest erfülle“. Stimmt. Da habe ich dann leider auch kein Gegenargument ;-). Diese Momente sind herrlich. Wenn Kinder sich freuen, ist das ansteckend und wir Eltern fühlen uns, als hätten wir selbst etwas geschenkt bekommen. Das ist schön und soll auch so sein.

Aber – Kinder haben dieses Funkeln auch bei anderen Dingen in den Augen. Wenn unser Sohn zu uns sagt „Ich habe eine gute Idee! Sollen wir eine grooooooße Höhle bauen?“ oder „Mamaaaaa!!!!Komm, lass uns Stocksuppe im Garten machen“ glänzen seine Augen genauso wie wenn er ein Geschenk bekommt. Und im Grunde sind solche Momente für Kinder viel kostbarer als materielle Dinge.

Momente, in denen wir unseren Kindern die volle Aufmerksamkeit schenken und coole Sachen mit ihnen machen.

Trotzdem sitzen die Kinder von heute vor Bergen von Spielzeug. Berge, die sie gar nicht bezwingen können, weil sie viel zu hoch und unüberschaubar sind. Und weil die Kinder den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen, sind sie so überfordert, dass sie oft mit gar nichts mehr spielen. Die Eltern wundern sich, dass ihr Sprössling ständig ein „Mir ist so langweilig“ jammert. Was passiert? Richtig – es wird noch mehr Spielzeug ran gekarrt. Oder trotzdem zwischendurch einfach nur mal so etwas Kleines gegeben, obwohl das Kind im Grunde schon alles hat und diese Kleinigkeit sowieso nach einem Tag bei dem Rest in der Kiste landet.

Fast jeder, mit dem ich spreche, stimmt mir voll und ganz zu. Und trotzdem ist da scheinbar das Bedürfnis (seinen) Kindern Geschenke zu machen. Ob viele zu Weihnachten oder immer mal wieder eine Kleinigkeit zwischendurch. Warum? Woher rührt dieser Wunsch? Meiner Meinung nach liegt die Antwort in einer von den folgenden Aussagen.

Eltern haben selber Spaß am Kaufen und Spielen

Manche Menschen finden sich im Spielzeug-Paradies wieder, wenn sie Eltern werden. Der Nachbar meiner Eltern ist so ein Peter Pan. Ein Junge im Körper eines erwachsenen Mannes. Zumindest in Bezug auf Spielzeug ;-). Seine zwei Söhne haben einfach ALLES. Und das in doppelter und dreifacher Ausführung. Sobald es etwas Neues auf dem Markt gibt, ist er der erste, der es kauft. Er, und alle anderen Eltern aus dem Niemandsland, fühlen sich in ihre eigene Kindheit zurückversetzt und haben selbst so viel Spaß am Bauen & Tüfteln, an Rollenspielen & Verkleiden, an Puppenbabys und Indianermännchen, dass sie SELBST  nur schwer an Spielzeug vorbeikommen. Ich stelle mir manchmal vor, wie der Nachbar umgeben von Spielzeug im Wohnzimmer sitzt und seine Kinder draußen mit dem Fußball spielen, weil sie nicht beim Aufbauen helfen dürfen ;-).

kleinesbisschen junge vor playmobil laden spielzeug spielzeuggeschäft

Das schlechte Gewissen ruft & Zuneigung erschleichen

Als das Steinbockmädchen geboren wurde, war ich schnell auf mich allein gestellt. Mein Mann musste am Tag nach der Geburt schon wieder ins Büro und wir drei mussten schnell einen Alltagsgroove finden. Dass das nicht im Handumdrehen passiert, brauche ich euch ja nicht zu erzählen. Zwischen Pampers wechseln, Stillschwierigkeiten und einem Mädchen, das zu Anfang zwar nicht schwierig aber auch nicht pflegeleicht war…tja, da kam der Große oftmals zu kurz. Zumindest gefühlt. Er musste öfters warten, hat in der Zeit durchaus das ein oder andere Mal länger am Handy gesessen als uns lieb ist und musste meine Aufmerksamkeit plötzlich mit einem schreienden Baby teilen. Er war nie eifersüchtig und immer sehr lieb zu seiner Schwester. Nein, er war von Anfang an richtig stolz auf sie. Nur Abends vorm Bettgehen, da kam der Teufel aus ihm raus. (Kennt ihr den Film „Der Exorzismus“? Dann habt ihr eine leise Ahnung von unseren Abenden im ersten Monat, haha).

Auch wenn also alles ziemlich glatt verlief und der Herbstjunge wie gesagt keine großen Anzeichen zeigte, dass er sich vernachlässigt fühlte, plagte mich ein leichtes schlechtes Gewissen. Vordergründig nahm ich dieses gar nicht als solches wahr, aber ich hatte den unglaublichen Drang, ihm immer mal wieder etwas zu kaufen. Ihm zeigen, dass ich ihn genauso liebe wie vorher.

Objektiv betrachtet wollte ich schlicht weg mein schlechtes Gewissen beruhigen.

Mit Sicherheit wollte ich auch ein Stück weit sicher stellen, dass er mich auch liebt. Denn ich kaufe ihm ja schöne Dinge. Also kann er mich ja gar nicht blöd finden, obwohl ich nicht mehr so viel Zeit für ihn habe. Oder…?

Würde ich es rückblickend anders machen? Nein! Denn diese erste Zeit war nun mal nicht einfach und warum sollte man es sich nicht mal ein wenig leichter machen dürfen? Wir müssen nicht immer alles richtig und nach Buch machen! Dann gab es halt mal mehr als sonst, so what? Es war immer noch in Maßen und auch nur über einen begrenzten Zeitraum. Als sich hier alles eingespielt hatte, war mein Geschenke-Bedürfnis genauso schnell verschwunden, wie es gekommen war.

Warum ich euch das alles erzähle? Ich möchte, dass ich wisst, dass ich hier niemanden verurteile oder es mir herausnehme alles besser oder perfekt zu machen. Ich finde es nur wichtig, sich ehrlich einzugestehen, was wirklich hinter unserem (übertriebenen) Konsumverhalten steckt. Jeder hat seine eigenen Gründe für ein schlechtes Gewissen. Geschwisterkind, lange Kita-Tage, eigene Krankheit, eine Phase der leichten Reizbarkeit und und und.

Aber vielleicht sollten wir aufhören, das schlechte Gewissen mit Geschenken zu beruhigen und stattdessen ZEIT in unsere Kinder investieren. Intensive, wertvolle Zeit. Ohne Handy, Laptop oder Haushalt. Denn das ist das, was Kinder aus ihrer Kindheit mitnehmen. Momente, in denen wir nur für sie da sind und nicht Momente, in denen wir ihnen etwas gekauft haben. Zumindest selten ;-). Und wenn wir das eh schon machen – ja, dann gibt es auch keinen Grund für Geschenke.

Langeweile vermeiden

Oben habe ich es ja schon kurz angeschnitten – Langeweile vermeiden ist meiner Meinung nach auch ein sehr beliebter Punkt, um mehr Spielzeug zu kaufen. Die Kinderzimmer quellen schon über vor Spielwaren und trotzdem wälzt sich das Kind gelangweilt auf dem Boden und will beschäftigt werden. „Ja, was kann sie denn nur haben? Sie hat doch alles!“. Und genau hier liegt das Problem – bei Massen an Spielsachen sind die Kleinen schlicht weg überfordert. Sie nehmen die einzelnen Sachen nicht mehr richtig wahr oder können sich einfach nicht entscheiden, mit WAS sie denn jetzt gerne spielen wollen.

Ich möchte damit nicht sagen, dass bei weniger Auswahl keine Langeweile aufkommt. Oh nein. Unser Sohn ist großartig darin, sich jammernd auf dem Boden zu rollen und quälend ein „mir ist soooo langweilig“ hervorzubringen. Manchmal ertappe ich mich auch dabei, wie ich denke „Mmhh…vielleicht hat er doch zu wenig Auswahl?“. Aber dann betrete ich sein Zimmer und denke „NEIN! Hier liegt genug rum. Mehr Spielzeug würde an seiner Langeweile auch nichts ändern.“ Denn – wir achten zwar sehr darauf, was und wie viel bei uns einzieht aber die Kinder haben dennoch mehr als genug.

Dabei ist Langeweile ein ziemlich wichtiger Faktor für die kindliche Entwicklung, denn sie regt Kinder an, erfinderisch zu werden. Und wenn wir unsere Kinder mal ganz genau beobachten, entsteht aus Langeweile meist wirklich etwas ganz tolles. Entweder sie bekommen uns Eltern dazu, sich mit ihnen fürs gemeinsame Spiel auf den Boden zu setzen. Oder sie fordern ihre eigene Kreativität heraus und plötzlich wird das Schlauchboot zum gefährlichen Piratenschiff oder das Pferd zum feuerspeienden Drachen (Ich glaube, es ist unschwer zu erkennen in welcher Interessensphase der Herbstjunge sich momentan befindet, ne? 😉 ). Ich schaue unserem Sohn dann immer besonders gern beim Spielen zu. Wenn er Sachen zweckentfremdet und so tut als ob. Wenn er seiner Fantasie freien Lauf lässt. Denn da ist doch ein ganz großen Teil der Kindheit – dass in der Fantasie alles alles sein kann und es gefühlt noch keine Grenzen gibt!

kleinesbisschen junge klettert spielplatz draußen

(Dann gibt es natürlich noch die Eltern, die keine Lust haben, sich mit ihren Kindern zu beschäftigen und Spielzeug kaufen, damit die Sprösslinge sich alleine beschäftigen. Aber ich denke, das ist die Minderheit und Ruhe vor den Kindern lässt sich heuzutage ja eh besser durch einen hohen Handy- und Fernsehkonsum erreichen, nicht wahr?…*schmunzel*)

Ich möchte Spielzeug wahrlich nicht verteufeln! Ich bin zum Beispiel überhaupt kein Freund vom momentanen Trend einer spielzeugfreien Kindheit. Denn auch Spielsachen regen die Fantasie an und helfen bei der kindlichen Entwicklung. Und nicht jeden Tag haben Kinder Lust auf dem Spielplatz zu klettern oder den Wald zu erkunden. Genauso, wie wir Erwachsene nicht jeden Tag Lust auf ein Buch haben. Das richtige Maß zu finden ist nur wichtig. Denn Kinder brauchen Spielzeug, aber kein Kinderzimmer, was mehr Auswahl bietet als das örtliche Spielwarengeschäft.

Wie seht ihr das? Ist für euch auch weniger mehr oder kann es bei euch nicht genug Spielzeug sein? Ich bin gespannt!

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