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Die Geburt des Steinbockmädchens – Unsere Beckenendlagengeburt

9. November 2017
kleinesbisschen beckenendlage geburt

Unser Mädchen lag bis zum Schluss der Schwangerschaft falsch herum – also mit dem Kopf nach oben & ihrem Popo nach unten. Für mich war die Beckenendlage lange gleichbedeutend mit einem Kaiserschnitt. Eine natürliche Geburt ist ja schließlich viel zu gefährlich! Oder…? Hier habe ich euch berichtet, wie es uns während der Schwangerschaft mit dem Gedanken an eine Beckenendlagengeburt erging und wie es dazu kam, dass wir uns für eine natürliche Geburt entschieden haben.

Da eine natürliche Geburt bei Beckenendlage heutzutage leider sehr selten geworden ist und ich damals recht wenige Berichte im Internet finden konnte, möchte ich euch gerne von unserem ganz persönlichen Geburtserlebnis erzählen.

Und plötzlich machte es „Knack“

Die Geburt des Herbstjungen fing damals mit einem Blasensprung an. Je näher also die Geburt unseres Mädchens rückte, desto mehr löcherte ich meine Freundinnen, deren Geburten mit Wehen starteten. Ich kam mir schon vor wie eine Erstgebärende! Alles Löchern und Fragen war allerdings vollkommen umsonst, denn in einer Nacht im Januar hörte ich gegen 3:30 im Halbschlaf ein Knacken und keine Sekunde später fing das Fruchtwasser an zu laufen. Ich weckte meinen Mann, der sofort aufsprang, zum Hörer griff, seine Eltern informierte und dann den Krankenwagen rief. Da das Steinbockmädchen logischerweise nicht mit ihrem Kopf fest im Becken saß, sollte ich bei Blasensprung unbedingt flach liegen bleiben – sprich, ich musste mit dem Krankenwagen transportiert werden.

Ich kann mich an diesen Moment noch erinnern, als wäre er gestern gewesen. Mein Mann lief telefonierend zwischen Bad und Kleiderschrank hin und her, beantwortete einsilbig die Fragen der Notrufstelle, während er mir Handtücher zuschmiss und das Bett unter mir immer nasser wurde. Als er auflegte meinte er nur „Man oh man, der hat mich jetzt aber ganz schön angeschrien!“. Wahrscheinlich wusste der Herr am anderen Ende der Leitung genau, dass Männer in diesen Momenten aufgeregter sind als ihre gebärende Frau ;-).

„Müssen Sie mich jetzt tragen?!“

Na ja und so lag ich da und ließ mich von meinem Mann anziehen. Wenige Minuten später standen auch schon die beiden Rettungskräfte im Schlafzimmer. „Müssen Sie mich jetzt tragen?!“ war meine erste Frage. „Ähm…ja, wenn Sie möchten…Aber bis nach unten können Sie auch laufen…“ die Antwort. Okay, dann wäre das also schon mal geklärt. Danach stand noch die Frage des Krankenhauses im Raum. Normalerweise sind Rettungskräfte dazu verpflichtet ins nächstgelegene Krankenhaus zu fahren. Das wäre keine Minute von uns weg gewesen, dort werden Beckenendlagen aber nur per Kaiserschnitt geholt. Die Frau des Sanitäters hatte im zweit nächst gelegenen Krankenhaus Gott sei Dank selbst schlechte Geburtserfahrungen gemacht und er willigte ein, mich ins unser Wunschkrankenhaus zu fahren.

Mit dickem Handtuch am Schritt tigerte ich dann also die Treppe runter zum Krankenwagen. Ich glaube, ich hatte noch nicht mal Schuhe an. Mit Blaulicht, aber in gemütlichem Tempo wurde ich dann ins Krankenhaus gefahren. Die Fahrt über kamen die Wehen unregelmäßig alle 10–15 Minuten, unterhalten habe ich mich mit dem Sanitäter über Tattoos ;-). Mein Mann wartete noch auf seine Eltern, packte die letzten Brocken zusammen und machte sich dann wenig später auf dem Weg. Ich glaube allerdings, er ist geflogen (oder wir sind extrem langsam gefahren) denn wir kamen fast zeitgleich im Krankenhaus an.

Jetzt wird’s ernst…

Dort wurde ich erst mal aufgenommen und es wurde ca. 40 Minuten CTG geschrieben. Sehr zu meiner Freude waren schon alle acht bis zehn Minuten leichte Wehen zu erkennen und auch zu spüren. Nach dem CTG wurde noch mal ein Ultraschall gemacht, um zu kontrollieren, dass die Kleine noch in Klappmesserstellung lag (aus einer anderen Beckenendlagenstellung entbindet dieses Krankenhaus nicht), die Nabelschnur nicht um den Hals gewickelt war usw. Der Arzt gab und grünes Licht und schickte uns spazieren. Wir brachten kurz noch unsere Sachen aufs Zimmer, bevor wir unsere Runden im Krankenhausgarten drehten. An dem Morgen war es bitterkalt draußen, sodass wir irgendwann doch den Rückzug antraten und ich fortan den Eingangsbereich des Krankenhauses nutzten.

Es war mittlerweile 6:30 und das Laufen half wirklich wahre Wunder – die Wehen kamen schnell in 2–3 minütigen Abständen. Doch sobald ich mich setzte, verlängerten sich die Abstände wieder auf fünf Minuten. Na ja gut, also lief ich immer weiter den Flur auf und ab. Die Schmerzen waren heftig, aber ich empfand sie trotzdem als sehr angenehm, da Pausen dazwischen lagen. Na ja, Butter bei die Fische – natürlich waren die Schmerzen an sich nicht angenehm, aber die Wehenpausen waren eine erfrischende Abwechslung zur Geburt des Herbstjungen. Er schenkte mir fünf Stunden lang durchgehende Rückenwehen, ohne Pausen zum Durchatmen. Da empfand ich diese Variante doch als deutlich angenehmer.

PDA – Ja oder Nein?

Eine natürliche Geburt aus Beckenendlage dauert im Durchschnitt länger und ist wohl auch schmerzhafter als eine „normale“. Daher wurde mir beim Vorbereitungsgespräch eine PDA ans Herz gelegt – einfach, damit ich für die letzte Phase mehr Kraft habe. Und falls doch ein Kaiserschnitt gemacht werden muss, alles schon vorbereitet wäre. Also hatte ich mich vorab darauf eingestellt, eine zu bekommen, sobald die Wehen regelmäßig einsetzen würden.

Meiner Meinung nach war das nun der perfekte Zeitpunkt. Also ließ ich mich noch einmal vom Arzt untersuchen. Muttermund butterweich und ca. fünf Zentimeter offen. Er war recht überrascht, wie schnell unsere Geburt schon vorangeschritten war und meinte nur „Es wäre schade, diesen natürlichen Verlauf nun durch eine PDA künstlich zu verlängern. Wenn Sie die Schmerzen aushalten können, fände ich es besser, wir würden es ohne Schmerzmittel machen“. Auch wenn ich mich heimlich ein klein wenig auf eine PDA gefreut habe, war ich natürlich trotzdem einverstanden. Bei unserem Sohn hatte die Geburt auch ohne Schmerzmittel geklappt, warum sollte es dieses Mal anders sein?

Also tigerten wir weiter und zogen Runde um Runde den Krankenhausflur entlang. Die Haltegriffe haben übrigens die perfekte Höhe, um sich daran abzustützen ;-). Bis ca. 8:00 Uhr hatten die Wehen nach wie vor eine mittelmäßige Intensität, danach wurden sie schon ziemlich stark, aber aushaltbar. Plötzlich wurde ich aber soooo müde, das ich mich einfach nur noch hinlegen wollte. Thorsten erlaubte mir dann, mich 15 Minuten auszuruhen und scheuchte mich danach wieder hoch. „Dann hast du es schneller geschafft!“. Recht hatte er!

Die Fahrt in den Kreissaal

Um 9:30 wollte ich mich noch mal kurz aufs Bett legen und wir gingen zurück ins Zimmer. Um 9:36 kam eine SO heftige und lange Wehe (7! Minuten), in der ich schon das Gefühl hatte, pressen zu müssen. Mein Mann rief eine Schwester, die mich direkt in einen Rollstuhl verfrachtete und zur Geburtsstadion schob. Ich war einfach nicht in der Lage alleine zu laufen. Ich hatte allerdings das Gefühl, sie würde mich nicht richtig ernst, denn sie sagte in einem etwas ungläubigen Ton zu ihrer Kollegin „Frau J. hat das Gefühl schon pressen zu müssen“. Gott sei Dank glaubte mir die Kreissaalschwester aber und schob mich ohne Umwege in den Kreissaal. Während sie mich ans CTG anschloss, kamen die beiden Ärzte hinzu. Bei Beckenendlagengeburten sind immer zwei Ärzte anwesend. Für mich bis zu diesem Zeitpunkt übrigens der einzige Unterschied…Unsere kleine Maus gab ein Traum CTG, meine Wehen waren jetzt zwar heftig, aber aufgrund der ziemlich langen Pausen aushaltbar. Fragt aber lieber nicht meinen Mann, ich glaube ich habe ihm fast die Hände gebrochen ;-).

Nach zwei, drei normalen Wehen hatte ich plötzlich wieder den starken Drang zu pressen. Ich lag noch auf der Seite und sollte nun mein oberes Bein hoch nehmen, um der kleinen Maus die Möglichkeit zu geben mit zupressen. Bei Beckenendlagengeburten ist wohl das austretende Kindspech ein Indikator dafür, dass die kleinen mitmachen. Das war bei den ersten beiden Presswehen noch nicht der Fall, aber bei der dritten. Irgendwie motivierte mich das, da ich wusste, wir sind auf einem guten Weg die Geburt bald gemeistert zu haben. (Verrückt, dass Kot motivieren kann. Sowas kann auch nur aus dem Mund einer Mutter kommen *augenrollen*)

„Jetzt in den Vierfüßler? Wollt ihr mich veräppeln???“

Noch eine weitere Wehe und ich hatte das Gefühl, der Po käme schon raus. WÄHREND dieser Wehe sollte ich mich in den Vierfüßler stellen, damit die Schwerkraft ihr übriges tun konnte. Ich dachte nur „Gott, JETZT?!? Wie soll ich das denn machen? Ihr verarscht mich doch!“. Aber es ging dann natürlich doch und noch während dieser Wehe kam der Po mit einem Beinchen. Das muss wohl sehr lustig ausgesehen haben, denn das Steinbockmädchen kam so gerade mit ihren Zehen auf den Boden der Liege und tippelte damit halb in der Luft rum. Wenn sie später mal Ballerina wird, dann war das wohl der Startschuss.

Die nächste Wehe ließ dann etwas auf sich warten, zumindest hatte ich das Gefühl. Ich weiß gar nicht, ob dann wirklich eine Wehe kam oder ob ich einfach so gepresst habe. Auf jeden Fall erblickte unsere Tochter um 10:38 das Licht der Welt. Mein Mann und ich waren beide einfach nur überwältigt und es floßen einige Freudentränen. Wir waren so stolz auf unser kleines Mädchen und darauf, dass sie auf ganz natürlichem Weg zur Welt kommen konnte.

Nach dem Prozedere des Messens und Wiegens verbrachten wir noch zwei Stunden im Aufwach- und Überwachungsraum, wo ich aufgrund der starken Nachwehen erst mal eine Ibuprofen eingeschmissen habe 😉

Ich bin weder gerissen, noch hatte ich Kreislauf- oder andere Probleme nach der Geburt. War es mir nach H.’s Geburt nicht möglich alleine auf Toilette zu gehen, geschweige denn zu duschen, hätte ich dieses Mal Bäume ausreißen können. Ich glaube, ich war ein wenig auf Endorphin-Drogen.

kleinesbisschen beckenendlage geburt

Der Unterschied zur Geburt des Herbstjungen

Ich kann mir vorstellen, was ihr jetzt denkt „Hä? Das liest sich doch aber wie ein stinknormaler Geburtsbericht. Wo ist denn jetzt das besondere daran?“ NICHTS, REIN GAR NICHTS! Und genau das ist es, was ich euch sagen möchte:
(M)eine Beckenendlagengeburt ist kein Deut anders gewesen, als die des Herbstjungen.
Beides waren tolle, ganz individuelle Geburten. Der einzige Unterschied war, dass gleich zwei Ärzte während der Geburt anwesend waren und halt der Po mit einem Bein zuerst geboren wurde.

Und die Geburt an sich? Tja, die empfand ich sogar als angenehmer, sie ging irgendwie schneller und war auch weniger schmerzhaft. Abgesehen von den Rückenwehen, steckte unser Sohn damals zwischen zwei Wehen mit seinem Kopf im Geburtskanal und ich hatte das Gefühl zu zerreißen! (Seine Geburt war aber auch wirklich schön!)
Dass die Wehen- und Endphase angenehmer war, hat natürlich nicht mit der Beckenendlage an sich zu tun. Jede Geburt ist anders. Und diese hier, ja die war halt auch einfach nur ganz normal anders. Nicht schlimmer, nicht länger, nicht gefährlicher. Einfach eine ganz individuelle Geburt, so wie jede andere auch.

Denkt einfach mal drüber nach

Also, wenn euer Knirps sich nicht drehen möchte – habt keine Angst davor, den Gedanken einer normalen Geburt reifen zu lassen. In meinem anderen Artikel zur Beckenendlage habe ich bereits darüber geschrieben, dass noch lange nicht jede Steißlage normal entbunden wird. Könnte nur ein Parameter gefährlich werden, wird sich immer für den Kaiserschnitt entschieden (so zumindest bei „unseren“ Ärzten).

Und so wie mein Frauenarzt mich damals gebeten hat, so bitte ich euch jetzt – lasst den Gedanken einer natürlichen Geburt an euch ran. Die Entscheidung kommt nicht über Nacht aber eurer Kind ja auch nicht. Recherchiert nach Ärzten in eurer Umgebung, die auf solche Geburten spezialisiert sind. Sprecht mit ihnen, lasst euch beraten. Solltet ihr danach nach wie vor einen Kaierschnitt wollen, ist das natürlich vollkommen in Ordnung! Kaiserschnittkinder werden nicht automatisch depressiv oder haben ein schlechteres Verhältnis zu ihrer Mutter, sie werden keine Weicheier nur weil sie sich nicht durch den Geburtskanal kämpfen mussten. Genau wie Flaschenkinder nicht alle Allergiker sind und nicht alle Stilkinder 90 Jahre ohne Magen Darm überstehen.

Es ist ganz egal, wie eure Entscheidung ausfällt. Aber IHR ganz allein solltet sie treffen. Und nicht ein Krankenhaussystem, das Kaiserschnitte befürwortet, weil sie mehr Geld bringen, besser planbar sind und keine Zeit und kein Geld verfügbar ist, um angehenden Ärzten die Beckenendlagengeburt näher zu bringen. Das Licht der Welt zuerst mit dem Allerwertesten zu erblicken kann nämlich ganz wunderbar sein.

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Kleiner Tipp am Ende für alle Babys in Beckenendlage, egal welche Geburtsart

Durch die Beckenendlage im Mutterleib kann es zu einer Hüftfehlstellung kommen. Im Grunde auch ganz logisch – wer über Wochen die Stellung eines Klappmessers einnimmt, dessen Hüften entwickeln sich anders, als die eines Babys das in Anhock-Spreizstellung liegt. Bei dem Steinbockmädchen war das der Fall und viele Kinder von Freunden und Bekannten, die auch so lagen, hatten nach Geburt (leichte) Hüftfehlstellungen.
Wir hatten Gott sei Dank einen sehr aufmerksamen Kinderarzt im Krankenhaus, der direkt gesehen hat, das mit der Hüfte unseres Mädchens etwas nicht stimmt und uns mit viel Nachdruck deutlich gemacht hat, dass wir so schnell wie möglich einen Spezielisten aufsuchen sollten. Unsere Tochter hat dann an ihrem sechsten Lebenstag eine Tübinger Schiene bekommen. Ihr junges Alter war gold wert und hat ihr vieles erspart.
Also – macht den Hüftultraschall nicht erst nach vier Wochen, sondern noch in der ersten Lebenswoche eurer Babys. Die meisten Kinderärzte haben ein Ultraschallgerät, ihr müsst also noch nicht mal zum Orthopäden.

Hatte eine von euch auch eine natürliche Geburt bei Beckenendlage? Oder einen Kaiserschnitt aufgrund von Steißlage?

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