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Nicht gewollt, aber immer geliebt

22. August 2017
kleinesbisschen Vater und Tochter Papa und ich

Wenn Kinder nicht im Lebensplan der Eltern auftauchen

Mein Vater wollte keine Kinder. Meine Mutter schon. Sie hat sich FÜR meinen Vater und GEGEN ihren Kinderwunsch entschieden. Denn so jemanden wie meinen Vater, den findet man nicht so schnell wieder.

Dann hat das Schicksal übernommen und meine Mutter wurde (ungewollt) schwanger. Mit mir. Ich kann mir nur wage vorstellen, was in dem Moment in ihr vorgegangen sein muss. Pure Freude traten gegen das Bewusstsein an, dass mein Vater keinen Kinderwunsch hatte. Also sagte sie zu ihm, dass sie auch abtreiben würde. Die Antwort meines Vaters „Nein, das kommt nicht in Frage! Wer weiß, wie ich in ein paar Jahren zum Thema Kinder stehe und dann klappt es vielleicht nicht. Aber wenn, dann möchte ich zwei und zwar im Abstand von einem Jahr“. 2 1/2 Jahre nach mir wurde mein Bruder geboren.

Ich höre recht häufig, dass es doch seltsam sein muss, wenn man weiß, dass man eigentlich nicht gewollt war. Kein Wunschkind. Dass sich die Eltern das Leben ohne Kind ausgemalt haben. Dass man in den Zukunftsträumen und -vorstellungen nicht vorkam. Dass man nicht das wahrgewordene Glück zu sein schien.

Ein Bekannter sagte mal vor ein paar Jahren „Wenn wir ein ungeplantes Kind bekämen würde ich es ihm nie sagen. Es soll immer das Gefühl haben, gewollt gewesen zu sein“.

Aber was hat man davon „gewollt“ gewesen zu sein? Ich bin ein ungewolltes Kind, das weiß ich. Aber nur weil meine Eltern es mir erzählt haben und nicht, weil ich jemals das Gefühl hatte. Meine Eltern sind mit dem Thema immer offen umgegangen. Oder anders gesagt: Bei uns war es überhaupt kein Thema. Es war so und basta. Vielleicht habe ich es unter anderem deswegen nie als schlimm empfunden, im Gegenteil. Das Wissen, dass mein Vater ab dem Zeitpunkt, als er von mir erfahren hat zu mir gestanden hat – das erfüllt mich mit ganz viel Vertrauen. Was juckt es mich, dass er mich vorher nicht auf dem Schirm hatte? Er hat mich sofort nach Bekanntwerden der Schwangerschaft in sein Herz geschlossen und war der beste Vater, den ich mir hätte vorstellen können.

kleinesbisschen vater und tochter papa und ich

Auch wenn er viel gearbeitet hat, hat er immer Zeit für meinen Bruder und mich geschaffen. Wenn er zuhause war, dann war er es zu 100%. Oder zumindest hat er uns das Gefühl gegeben ;-). Ich hatte nie das Gefühl, er wäre mit seinen Gedanken woanders oder dass er genervt von uns war. Nie. Mein Vater war immer offen für unsere Wünsche und Ideen, die er oft auf seine eigene, kreative Weise umgesetzt hat.  Wir wollten eine Rutsche? Also wurde die Tür aus den Angeln gehoben und eine Betten-Türen-Rutsche gebaut. Welcher Vater macht das denn bitte??? Und hat auch noch selbst Spaß dabei?

Ich will damit sagen – ein ungewolltes Kind ist nicht zwangsläufig ein ungewolltes Kind. Ein ungewolltes Kind bedeutet nicht automatisch erstmal ungeliebt. Den Eindruck habe ich nämlich – dass viele das im ersten Moment miteinander in Verbindung bringen. „Wenn jemand doch keine Kinder WILL und dann ist da trotzdem plötzlich ein kleiner Wurm – da kann derjenige doch nicht genauso empfinden, wie jemand der das Kind ganz bewusst geplant hat!“

kleinesbisschen vater und tochter papa und ich

Doch, kann er. Und vielleicht sogar noch viel mehr.

 

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