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Muss ein Kleinkind offen sein?

21. September 2017
kleinesbisschen_muessen kinder offen sein

„Fazit unserer Kindergärtnerin: Unsere Maus ist aufgeschlossen & offen gegenüber anderen, teilt, hat viele Freunde, redet wie ein Wasserfall und sagt offen ihre Meinung, wenn ihr etwas nicht passt. Das bestätigt mich darin, alles richtig zu machen“

So oder so ähnlich lese und höre ich es immer wieder. Das freut mich für die Eltern und die Kinder, denn was gibt es schöneres, als ein positives Feedback zum Kind zu bekommen und zu wissen, dass sich der kleine Wurm pudelwohl fühlt.

Und gleichzeitig gibt es mir einen kleinen Stich. Unser Sohn war bis vor kurzem nämlich nicht so wie oben beschrieben. Er war in fremder Umgebung schüchtern, redete wenig & leise und machte meist eine ernste Miene. Im ersten Kindergartenjahr hat er wenig bis gar nicht mit den Erzieherinnen gesprochen. Früher haben wir immer Witze darüber gemacht, dass H. zwei Persönlichkeiten hat – der Clown zu Hause, der Pessimist in der Öffentlichkeit. Also fragte ich mich – Haben wir alles falsch gemacht? Muss ein Kleinkind offen sein? Auf andere Kinder zugehen & sich trauen mit Erwachsenen zu sprechen?

Ich muss zugeben, ein ruhiges Kind zu haben, das ständig an meinem Rockzipfel hängt, während andere Kinder fröhlich miteinander spielen war nicht immer einfach. Unsere Gesellschaft möchte fröhliche, lachende und offene Kinder sehen. Kinder die ernst gucken und 2 Stunden bei Mama auf dem Schoss sitzen, mit denen stimmt doch was nicht. Da haben die Eltern wohl etwas falsch gemacht. Zumindest hatte ich oft das Gefühl. Vielleicht habe ich es mir auch nur eingebildet jedoch glaube ich, ein wenig stimmt es schon. Denn wie oft höre ich den Satz „Die KiTa hat ihm richtig gutgetan. Er war immer so zurückhaltend und wortkarg. Als er dann mit zwei Jahren in die KiTa kam und Kinder und andere Erwachsene um sich hatte, wurde er richtig aufgeschlossen!“

Darf ein zweijähriges Kind nicht zurückhaltend sein…?

Mmhhh…Da frage ich mich, warum schon von so kleinen Kindern erwartet wird extrovertiert und offen zu sein? Aus Angst, dass aus ihnen nichts Gescheites wird, weil sie scheinbar kein Selbstbewusstsein haben und sich nicht viel trauen?

Ich zum Beispiel war immer ein schüchternes Kind. Und auch als Heranwachsende habe ich mich schwer getan, laut meine Meinung zu äußern. In der 10. Klasse sagte mal eine Lehrerin zu meiner Mutter, ich müsse langsam lernen mehr zu sagen sonst könnte mir das Abitur Probleme bereiten. (Womit sie vollkommen Recht hatte, denn hier zählt nun mal stark die mündliche Mitarbeit). Geändert hat sich das während meines USA-Aufenthalts in der 11. Klasse. Danach wechselte ich sogar die Schule, irgendwie gehörte ich von da an zu den coolen und bestand ohne Probleme mein Abitur. Und heute? Heute gucken mich alle mit großen Augen an, wenn ich erzähle, wie schüchtern ich früher einmal gewesen bin. „Du? Das kann ich mir gar nicht vorstellen!“

Ob schüchtern oder wild. Lassen wir unsere Kinder so sein wie sie sind.

Was ich damit sagen möchte, ist einfach folgendes: Ich finde es schade, dass wir kleine Kinder nicht mehr einfach nur schüchtern sein lassen, ohne zu analysieren, ob denn alles in Ordnung ist. Wisst ihr was ich meine? Vielleicht können auch nur Eltern von zurückhaltenden Kindern meine Gedanken nachempfinden, aber ich verstehe den Druck nicht ganz, der schon auf die Kleinsten gelegt wird. Wie schon geschrieben, manchmal wünschte ich mir auch H. wäre einer der offenen Kinder gewesen, die total begeisterungsfähig für fremde Dinge sind. Dann schielte ich wehmütig zu Müttern mit eben diesen Kindern rüber, während mein Sohn wie ein Äffchen auf meinem Schoss saß. Aber, und jetzt kommt das DICKE ABER, seit ein paar Monaten merken wir, wie unser Sohn langsam seine Schüchternheit überwindet und sich mehr traut. Mit uns an seiner Seite traut er sich jetzt nach einem Luftballon zu fragen, sagt Hallo und auf Wiedersehen oder Danke. Wird im Kindergarten immer kecker, wilder und witziger. Langsam aber sicher findet er seinen Weg. Er braucht schon ab und an einen kleinen Schubser von uns in die richtige Richtung, den Rest erledigt er dann aber ganz von alleine.

Also – lassen wir unsere zurückhaltenden Kinder doch einfach zurückhaltend sein &  die wilden wild. Kinder haben noch alle Zeit der Welt sich zu entwickeln, sich zu formen und zu der Person heranzuwachsen, die sie eigentlich schon längt sind.

Wie denkt ihr darüber? Habt auch ihr schüchterne und zurückhaltende Kinder? Oder haben eure keinerlei Scheu?

 

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