Familie | Home | Kleine Gedanken | Kleinkind

Ich bin Vollzeitmutter und will mich dafür nicht entschuldigen – Teil 1

12. Februar 2018
kleinesbisschen vollzeitmama vorurteile klischees

Sind wir doch mal ehrlich. Egal was eine Mutter macht – sie ist umgeben von Vorurteilen. Geht sie arbeiten, ist sie eine karrieregeile Rabenmutter. Bleibt sie zu Hause ist sie nicht nur Vollzeitmama sondern direkt das Hausmütterchen, das die ganze Frauenarbeit der letzten Jahre zunichte macht.

Mein Mann und ich haben uns dazu entschlossen, unsere Kinder je drei Jahre zu Hause und dann auch nur bis 12:30 in den Kindergarten gehen zu lassen. Ich bin also nach wie vor Vollzeit beschäftigt, aber halt zu Hause :-). Wir fühlen uns sehr wohl mit der Entscheidung und würden es immer wieder machen.

Ich bin Vollzeitmutter und will mich dafür nicht entschuldigen.

Was mir aber, entschuldigt bitte die Ausdrucksweise, gehörig gegen den Strich geht, sind die Aussagen, die ich manchmal zu hören bekomme. Und ich sage euch – da gibt es so einige. Denn sind wir mal ehrlich. Viele Vollzeitmütter gibt es nicht mehr. Egal ob wir uns nun Hausfrau & Mutter schimpfen oder Managerin eines kleinen Familienunternehmens – wir gehören zur aussterbenden Spezies und stoßen damit auf Unverständnis & Neid. Nicht immer, aber immer öfters. (Das verrückte ist eigentlich, dass Mütter mit Job genau das gleiche sagen…)

Zusammengefasst findet ihr also ein paar Sätze, die Vollzeitmütter mit Sicherheit alle schon mal gehört haben und meine Gedanken dazu. [Hierbei handelt es sich um meine ganz persönlichen Empfindungen, ohne diese auf andere projizieren zu wollen.]

Du bist ja zu Hause – übernimm du die Aufgabe doch!

Im Zusammenhang mit meinen Aufgaben im Kindergarten habe ich diesen Satz schon recht oft zu hören bekommen. Entweder an mich gerichtet oder an eine andere Vollzeitmutter. Gerne auch im Zusammenhang mit dem Satz „Ich bin ja arbeiten, ich schaffe das einfach nicht!“. Das mag ja stimmen, aber was berechtigt arbeitende Mütter dazu, zu verallgemeinern wie viel Zeit ICH ganz persönlich habe – nur weil ich zu Hause bin? Richtig – nichts! Ich sitze zwar in keinem Büro und bin natürlich flexibler, was Erledigungen angeht. ABER auch ich habe meine Zeit anders verplant. Einfach zu sagen „Du bist ja zu Hause, mach doch mal eben“ finde ich frech. Es mag vielleicht subtil klingen, weil ich keine vermeintlich „wichtigen“ Arbeiten erledige und mir kein Arbeitgeber (dafür aber unsere kleine Tochter) im Nacken sitzt, aber auch meine Vormittage sind verplant.

Wenn ich dann zum Beispiel Besorgungen für Feste machen soll – dann geht das von meiner anderweitig durchaus verplanten Zeit ab. Das ist auch in Ordnung so und macht mir nichts. Dann wird die Wäsche halt zusammen mit den Kindern am Nachmittag gemacht, am nächsten Tag eingekauft, meine schon drei mal verschobene Sporteinheit wird um ein viertes Mal verschoben, die Buchhaltung wird später gemacht oder, oder, oder.

Alles Dingen, die sich ohne Probleme verschieben lassen, auch, weil ich mir die Zeit selbst einteilen kann. Ich befinde mich zwar so gut wie nie nicht im Stress und ich möchte hier auch nicht den Eindruck erwecken als wüsste ich als Vollzeitmutter nicht wo mir der Kopf vor Terminen steht. (Was für mich übrigens einer der besten Punkte daran ist Vollzeitmutter zu sein – wir haben Zeit, alles in Ruhe zu erledigen. Von dieser Ruhe profitieren dann nämlich auch unsere Kinder). Aber Däumchen drehen und auf Aufgaben warten tu ich auch nicht.

Also bitte, bitte nehmt es nicht als selbstverständlich hin, dass diejenigen die zu Hause sind, sind um Sachen kümmern. Oder zieht nicht über uns her, wenn wir mal sagen wir haben keine Zeit. Gerade wenn noch ein Kind zu Hause ist, welches beschäftigt oder betreut werden möchte. Wir haben zwar andere Tagesabläufe aber das heißt nicht, dass wir weniger beschäftigt sind und mal eben so freie Zeit aus unseren Ärmeln schütteln.

Was machst du eigentlich den ganzen Vormittag über?

Ich beziehe mich hier ganz bewusst nur auf den Vormittag. Ab 12:30 ist unser Sohn wieder zu Hause und somit ist ja klar, was ab dann bis 20:00 auf dem Programm steht 🙂

Vor ein paar Wochen hätte sich mein Text noch so angehört: Kind 1 in den Kindergarten bringen, 9:00 wieder zu Hause. Wäsche waschen/zusammenlegen/einräumen, mit Kind 2 etwas spielen bis ihr gegen 10:30 Augen zufallen und sie sich zwei Stunden Schlaf und mir somit freie Zeit gönnt. Um 11:30 anfangen zu kochen. Die restliche Stunde habe ich zum groben Aufräumen, Sport, mich fertig machen und meinem mittlerweile kalten Kaffee genutzt. (Kalter Kaffee und kaltes Essen – auch eines der Vorzüge vom Eltern werden, oder?)

Tja…seit Anfang des Jahres hat das Steinbockmädchen viel Spaß daran gefunden, ihren Schlafsack selber zu öffnen und selbstständig aus dem Bett zu klettern. Heißt im Umkehrschluss? Richtig – Schlaf ist OUT, Wachsein IN und meine freie Zeit passé. Das führt dazu, dass ich hier nicht viel mehr schreiben kann außer „Mich um unser zweites Kind kümmern“. Aber das füllt halt meinen kompletten Vormittag aus.

Nach wie vor kümmer ich mich um die Wäsche und den Haushalt, aber alles mit meiner kleinen Haushaltshilfe an der Seite. Sport macht mir mit Kind keinen Spaß und an Laptop aka. Blogposts ist auch nicht mehr zu denken. Kochen dauert nun auch doppelt solange, denn ich habe in der Küche praktisch nichts mehr zu sagen. „Neina“ – Alleine machen ist jetzt angesagt. Nur das Aufwischen des hinterlassenen Chaos, das wird mir dann wieder überlassen ;-).

Auch wenn ich nicht ständig von einem Termin zum nächsten hetze und in unserem Alltag mehr Ruhe als Stress herrscht – als Vollzeitmama hat man (fast) immer was zu tun & Langeweile kommt hier selten auf.

Kinder werden zu Hause nicht optimal (sozial) gefördert

Ja ja, auch so ein beliebter Satz. Dass schon die Kleinsten soziale Kontakte brauchen, im Kindergarten viel schneller selbstständig werden und die Mutter (oder der Vater) zu Hause einfach keine optimale Förderung bieten kann.

Ich frage mich wirklich, wer sich diese Argumtente hat einfallen lassen. Ja okay, selbstständig werden sie auf jeden Fall im Kindergarten schneller und ja, Kinder lernen am meisten von Kindern. Stimmt. Aber was glauben eigentlich alle, was wir Mütter mit unseren Kindern all die Jahre machen? Uns alleine mit ihnen zu Hause einschließen? Und dass sie dann am ersten Kindergartentag das erste Mal andere Kinder zu Gesicht bekommen?

Ich kann nur von mir sprechen, aber im ersten Jahr gab es da Pekip und Babyschwimmen. Ab dem zweiten Jahr wurde es dann schwierig mit den Kursen, weil die meisten Kinder im Kindergarten sind. Aber, Trommelwirbel für das Lüften des Geheimnisses – in Geburtsvorbereitungs- und Babykursen lassen sich durchaus Freundschaften schließen, die über das erste Lebensjahr hinaus gehen. Verrückt, oder?

Das führte in unserem Fall dann dazu, dass der Herbstjunge 2 bis 3 Mal die Woche auf Artgenossen traf.

Meiner Meinung nach ein vollkommen ausreichender Umgang mit anderen Kindern um sich Sachen abzugucken, zu lernen und Freundschaften zu knüpfen. Zumal ich nach zwei Kindern mal sagen muss: (Die meisten) Kinder unter 2 spielen einfach nicht miteinander! Ja, sie LERNEN voneinander, aber bis zum 2. Lebensjahr spielen Kinder nicht mit-, sondern nebeneinander. Dass, das trotzdem von Vorteil und enorm wichtig ist steht außer Frage. Kinder brauchen soziale Kontakte, aber nicht 6 Stunden am Tag fünf Mal die Woche.

Wo wir direkt beim Punkt der optimalen Förderung wären. Alle reden immer davon, wie wichtig eine möglichst enge Betreuung der Kinder ist, also wenig Kinder pro Erzieher. Zu Hause hat der Herbstjunge eine 1:1 Betreuung genossen. Ich konnte IMMER auf seine Bedürfnisse, Lernschritte und Entwicklungsphasen. Immer. Wohingegen in KiTas eine Erzieherin für 10 oder mehr Kinder zuständig ist. In diesem Beitrag soll es überhaupt nicht darum gehen, was jetzt besser ist. [Auch wenn ich mir dazu über die Jahre meine ganz eigene, feste Meinung gebildet habe.] Natürlich gibt es im Kindergarten andere Reize und Beschäftigungsmöglichkeiten. Ich finde es auch sehr wichtig, dass Kinder von fremden Personen etwas vermittelt bekommen. Es erweitert ihren Horizont und bereitet sie auf das spätere Leben vor.
Aber wie kann es sein, dass einer Erzieherin, die ihre Aufmerksamkeit durch 10 Kinder teilen muss, mehr Förderung zugetraut wird als der eigenen Mutter (oder Vater)?

Unser Sohn konnte mit zwei Jahren mit der Schere umgehen, unsere Tochter schmiert ihr Brot (mehr schlecht als recht,haha) alleine & beide unserer Kinder können seit ihrem 1. Lebensjahr Treppensteigen bzw. -krabbeln. Die Tochter einer Freundin (auch 3 Jahre zu Hause) ist sogar die weiteste in ihrer Kindergartengruppe. Und keiner der Kinder meiner Freundinnen ist sozial daneben. (Auch wenn ich sagen muss, dass ich manche Aussagen von meinem Sohn wie „Es war heute nicht schön im Kindergarten. Die anderen Kinder wollten mit mir spielen“ etwas verstörend finde,hahahaha. Aber das liegt wohl eher an seinem Charakter ;-).)

Was ich damit sagen möchte? Dass auch zu Hause Förderung ohne Probleme gelingt und kein Kind den Kindergarten braucht um altersgerechte Fähigkeiten zu erlernen, wenn es Eltern hat die ihm einen abwechslungsreichen Alltag bieten.

 

Noch eine kleine Anmerkung zum Schluss, weil das Ganze ja schon ein heikles Thema ist – nein ich möchte damit niemanden angreifen. Jeder sollte nach seiner persönlichen Lage entscheiden, was das beste für die Familie ist. Ich möchte mich als Vollzeitmama einfach nur mal verteidigen und mit ein paar Klischees aufräumen 🙂

Seid ihr auch zu Hause und fühlt euch manchmal mit Klischees oder Vorurteilen konfrontiert? Die arbeitende Fraktion unter euch – welche Sätze oder Denkweisen nerven euch besonders?

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

%d Bloggern gefällt das: