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Advent, Advent, der Geldbeutel brennt – Die Adventskalender der Kinder

22. November 2017
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Wir feiern nun schon das fünfte Weihnachtsfest als Familie. Kinder zu haben bringt dem Weihnachtsfest noch mal ein bisschen mehr Magie, findet ihr nicht? Schon die Zeit vor dem großen Fest ist noch besinnlicher, noch behaglicher. Da ist jemand, der an den Nikolaus, das Christkind und den Weihnachtsmann glaubt. Mit dem wir Plätzchen backen, die Stiefel putzen und Wunschzettel verschicken. Jemand, der sich interessiert die Weihnachtsgeschichte anhört und an dem der Stress, den wir Erwachsenen ums Fest machen einfach vollkommen vorbeizieht.

Gut, Kinder sind natürlich auch in einer ziemlich guten Position. Sie sprechen Geschenkewünsche aus, müssen aber selbst keine erfüllen ;-). Sie müssen nicht in überfüllte Kaufhäuser fahren und DAS EINE Teil zu ergattern. Und sie haben keine Liste, wen sie denn mit Geschenken eine Freude bereiten wollen. Sie werden beschenkt und geben ihre strahlenden Kinderaugen als Dank zurück. Fertig.

So leicht es sich die Kinder machen, so schwer gestalten es sich die Eltern. So hat sich in den letzten Jahren der Trend verfestigt, Kinder nicht erst am 24. Dezember mit Geschenken zu erfreuen. Nein!  Es gibt ganze YouTube Videos, Blogbeiträge und Instagramposts, die sich mit der Frage beschäftigen, was denn so alles in den Adventskalender geladen werden kann. Prinzipiell mag ich solche Anregungen auch immer sehr gerne, denn dort bekommen wir alle Tipps, die uns allein vielleicht nicht in den Sinn gekommen wären.

Aber braucht es beim Adventskalender wirklich derartige Anregungen?

Ein Adventskalender soll den Kindern zeigen, wie lange es noch bis zum Weihnachtsfest ist. Er soll Ihnen die Vorfreude auf das Fest vergrößern, zeigen, dass wir jeden Tag ein Stückchen näher an den 24. Dezember rücken. Ich liebe diese Tradition sehr und freue mich jetzt schon auf die leuchtenden Augen, wenn die beiden jeden Morgen am Kalender stehen und nach der richtigen Zahl suchen.

So, nun kenne ich aber kaum jemanden, der auf reine Zuckerschock-Kalender setzt. An stelle von Zucker treten nun Pixie Bücher, Stempel, Haargummis oder auch größere Sachen wie Tonies oder CDs, Bücher, Lego oder Schleichtiere. Plus Schokolade natürlich. Reine Schokoladenkalender gibt es höchstens als Zweitkalender. Denn Oma und Opa bringen ja auch noch einen vorbei.

Ich muss ehrlich sagen, dass ich diesen Trend nicht ganz nachvollziehen kann.

Warum müssen Kinder 24 Tage lang, jeden Tag, Geschenke bekommen, um die Vorfreude auf einen Tag zu vergrößern, bei dem Geschenke dominieren? Wenn von 24 Türchen EIN PAAR mit Kleinigkeiten gefühlt sind, okay. Aber müssen es (fast) 24 sein? Selbst wenn es nur Haargummis, Seifenblasen oder Pixie Bücher sind. Denn seid doch mal ehrlich – wie lange dauert es, bis diese Sachen in der Ecke liegen? Dann doch lieber morgens eine Schokolade öffnen & sich daran freuen, schon morgens Zucker inhalieren zu dürfen. (Das ist nämlich unsere Besonderheit daran. Dass es die Süßigkeit nicht erst nach dem Mittagessen, sondern schon morgens gibt. Ich bin 24 Tage lang der Held hier. Zumindest für 15 Minuten.)

Ja klar, viele sagen „Es sollen einfach kleine Aufmerksamkeiten sein. Dinge bei denen wir wissen, dass unser Kind sich daran erfreut. Wir möchten unserem Kind einfach eine Freude bereiten“. Ist ja auch schön, aber bereiten Süßigkeiten euren Kindern keine Freude? Ich kann nur von unseren ausgehen, aber die beiden freuen sich VIEL mehr über Zuckerhaltiges als über ein Haargummi oder Seifenblasen. Ist so. Zumal es doch irgendwie einen Teil der Magie am Heiligen Abend nimmt, oder? Wenn die Geschenke unterm Baum nur Nummer 25,26 und 27 sind.

Vielleicht ist meine Einstellung in dem Punkt etwas extrem. Ich möchte unsere Kinder aber so lange wie möglich vor diesem Konsumwahn bewahren. Ich möchte, dass sie sich so lange wie möglich über die kleinen Dinge freuen. Dass es für sie nichts Großes oder teures sein muss. Denn darin sehe ich ehrlich gesagt ein wenig die Gefahr, wenn Kindern von gerade mal 3 bis 5 Jahren schon richtige Geschenke in den Kalender gelegt werden. Irgendwann werden die Haarschleifen und kleine Legobox nicht mehr reichen. Irgendwann muss es dann das Playmobil Auto sein. Den Kleinkramzubehör hat man ja schon.

Und dann frage ich mich noch – wenn der Kalender vor Toniefiguren, TipToi Büchern und Nagellacken überquillt. Was liegt denn dann unterm Weihnachtsbaum? Es ist doch eh schon so, dass die meisten Kinder sich an Weihnachten kaum vor Geschenken retten können. Sie werden so viel bekommen, dass dem letzten Geschenk nur noch die halbe Aufmerksamkeit zuteil wird. Und das an einem Fest, an dem es im Grunde um etwas komplett anderes geht. Natürlich gehören Geschenke zum Fest dazu, denn so teilen wir unseren Mitmenschen ja auch mit, dass wir sie gernhaben. Wir machen uns Gedanken zum idealen Geschenk und nehmen uns die Zeit es auszusuchen, zu verpacken und etwas Nettes zu schreiben.

Aber, und ich weiß ich wiederhole mich, warum Geschenke dann schon zur Vorweihnachtszeit? Wird das Fest der Liebe dadurch nicht noch mehr materialisiert? Werden unsere Kinder dann nicht noch mehr zu Konsumfanatikern erzogen? Warum machen die Eltern es sich selbst so schwer und treiben die Erwartungshaltung der Kinder künstlich in die Höhe? Warum nicht einfach Schokolade, wenn diese noch vollkommen ausreicht? Mit Sicherheit wird auch bei uns eine Zeit kommen, in der die Kinder lieber mal ein Playmobilmännchen drin haben anstatt 24 Stücke Schokolade. Aber das sehe ich erst in zwei Jahren. Oder drei. Und dann, ja dann werden sie sich wirklich drüber freuen.

Wie steht ihr zu dem Thema und wie handhabt ihr es? Schokoladenkalender, Geschenkekalender oder eine bunte Mischung? Hier habe ich euch ja schon mal berichtet, wie wir generell zu dem Thema (Spielzeug-) Konsum stehen 🙂

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Sieht doch trotzdem nach was aus, oder?

Und zum Schluss: Ein Einblick ins Leben der Familie J.

Damit ihr NOCH besser verstehen könnt, wie unsere Familie zu den rein süßen Adventskalender kam, gibt es zum Schluss noch eine kleine „Behind the Scenes“. Die Outtakes quasi ;-).

Weihnachten 2014

Unser Sohn, 15 Monate, hat zu dem Zeitpunkt noch kaum Süßigkeiten gegessen und das sollte auch erst mal so bleiben. (Unsere Tochter war mit 15 Monaten übrigens schon Best Friends mit Schokolade. Nur mal so am Rande.) Also habe ich gefühlt STUNDEN damit verbracht, kleine Geschenke für den Adventskalender zusammen zu tragen. Quetschis, Fruchtriegel, bunte Badesalze, Dinkelkekse und und und. Dreimal so viel Zeit wurde noch mal ins Verpacken reingesteckt. Bis tief in die Nacht saß ich in der Küche und spielte Weihnachtselfe. Zumindest fühlte es sich bis in die Nacht an. Wahrscheinlich war es gerade mal 21 Uhr.

Und was freute ich mich auf die folgenden 24 Tage, an denen der Herbstjunge sicher direkt nach dem Aufstehen in die Küche tappern und seine Säckchen abmachen möchte. (Genau, so eine richtig schön naive Erstmutter mit ihrer rosaroten Brille.)
Wie sah die Realität aus? Nach zwei Tagen hatte er schon keine Lust mehr auf das blöde Auspacken und ich bin wie eine Verrückte mit den Säckchen voller Fruchtriegel oder Quetschis hinter ihm her gelaufen. UND NACH EIN PAAR TAGEN WOLLTE ER DIE NOCH NICHT MAL MEHR HABEN! Ich brauche auch nicht zu erwähnen, dass er sich kein bisschen über die roten, blauen und grünen Badezusätze gefreut hat, oder?

Also – der ach-so-tolle-selbstgemachte-Kalender im ersten Jahr war ein vollkommener FLOP. Reine Zeit- und Geldverschwendung. Unsere Tochter hat dann keinen mehr bekommen. Das arme zweite Kind.

Weihnachten 2015

Mit über zwei Jahren freuen sich Kinder dann schon mehr über den Adventskalender als mit 15 Monaten. So viel schon mal dazu.

Vorab machte ich mir wieder einige Gedanken zum Inhalt. Es sollte schon Schokolade drin sein, aber nicht nur. Also kaufte ich ein paar SIKU Spielzeugautos und mischte diese so alle drei Tage unter. Statt Schokolade. Der Herbstjunge liebte Autos zu dem Zeitpunkt und in meiner Vorstellung wurde das DER KNÜLLER! Tja, und wieder frage ich mich woher ich immer diese rosarot-naiven Vorstellungen hernehme? Vielleicht war ich früher ja mal Disneyprinzessin…

Ende vom Lied war, dass Sohnemann wenig erfreut war über die Autos. Voller Vorfreude wurden die Säckchen aufgerissen und dann kam es zu zwei verschieden Szenarien: Beim Auspacken der Schokolade hätte er wohl am liebsten einen Luftsprung gemacht. War jedoch ein Auto drin…Oh je! Dann wurde ein todtrauriger Blick aufgesetzt, nochmals ins Säckchen geschaut und ganz traurig „Sokolate?“ gesagt.

Er wollte keine Autos…er wollte einfach nur seine Schokolade!

Weihnachten 2016

Was gab es also im nächsten Jahr? Richtig – Schokolade! Unser Sohn hat sich jeden Morgen gefreut wie Bolle.

Dass es von mir am Abend des 1. Dezember einen großen Aufschrei gab, das hat er nicht mitbekommen. Wir hatten den Adventskalender nämlich einfach mal komplett vergessen. Also saß ich um 22:00 des 1. im Keller und habe Schokolade verpackt. Allerdings nur die Hälfte, auf den Rest hatte ich keine Lust. Gut, dass der Herbstjunge zu dem Zeitpunkt noch keinen Schimmer von Zahlen hatte.

So, nun erzählt doch mal. Was steckt in euren Kalendern?

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(Wenn dein Kind keine Süßigkeiten mag, greift mein Text wohl nicht ;-). Das wäre ja ein bescheidener Kalender – voller Sachen, die man blöd findet. Nur um dem Massenkonsum zu entgehen.
Wahrscheinlich greift er auch nicht, wenn eure Kinder noch keine Süßigkeiten essen sollen. Aber aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass sie dann auch noch keinen Adventskalender brauchen. 😉 )

 

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